Unsere Liebe Frau

1Der Beginn ist alternativlos: Ein bezauberndes Bild der Hausherrin, Unserer Lieben Frau. Die vornehme Dame ist etwa 125 Mal im und am Münster abgebildet; das Bild hier ist sicher eines der schönsten: Die Sternenkleidmadonna. Wie Venus dem Meerschaum ist sie zwischen 1290 und 1295 dem Sandstein entstiegen und im Jahr 1888/1889 mit den schönen Sternchen bemalt worden. Mühelos und stille lächelt die Heilge innen am Hauptportal über den Mühsamen, die unter ihr, ihrer nur wenig achtend, durch hasten.

Sie ist bezaubernd, lieb-lich, unsere liebe Frau, aber auch und nicht zu übersehen unsere Frau, eine Frouwe,  eine höchstgestellte adlige Dame, wie die goldene Krone zeigt, die sie mit gleicher Selbstverständlichkeit trägt wie Kaiser und Könige in der Manessischen Liederhandschrift, aber mit unvergleichlicher Grazie, leicht wie ein Sommerhütchen. Unter der Krone bändigt ein langer und breiter Schal, üblicherweise in Münsterbüchern als Schleier bezeichnet, ihre goldene Lockenpracht.

Ja, sie sieht aus wie eine Königin, und nicht nur das: Sie ist es auch. Wieso und warum? Das wissen wir aus dem Evangelium des Lukas (1, 32f), in dem berichtet wird, wie der Engel Gabriel der etwas überraschten Maria ihr bevorstehendes Mutterglück ankündigt und ihr auch nähere Angaben zu ihrem zu erwartenden Kind, einem Jungen, macht: „Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“  Jesus wird also den Königsthron Davids besetzen, also König sein, und sie somit Königin-Mutter. Dass sie dann selber auch Königin ist, und zwar nicht nur des doch etwas bescheidenen Davidreiches, sondern Himmelskönigin mit Krone und Szepter,  dafür braucht es dann noch ein bisschen Dogmenentwicklung. Und die gibt es nicht zu wenig – nirgends hat sich die christliche religiöse Phantasie so hemmungslos-lustvoll ausgetobt wie bei der Gestalt der Jungfrau und Mutter Maria, sagte der  Tor in der Redaktionskonferenz. Und die Gestalt der königlichen Maria zieht wie ein Leitmotiv durchs ganze Münster; vielleicht ist es gerade deswegen so schön.

Die nächste Miniatur kommt in einer Woche: König David.

Ein Kommentar zu „Unsere Liebe Frau

  1. Sie ist in der Tat eine schöne Madonna, allerdings mit einem etwas verkniffenen Mund, einem veritablen Muttermund. Es darf nicht vergessen werden, dass sie ja neben Jesus und der ganzen Himmmelvatergeschichte ja auch noch die Geschwister zu versorgen hatte und dem lieben Josef das auch noch alles erklären musste: das kann nicht leicht gewesen sein und so hat sie auch etwas sehr modernes und mit den unter sie durch hastenden Münsterbesuchern Gemeines. Ich mag sie sehr und bin gespannt, was mir der Davis sagen wird.
    Anke

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