Melchior

img_2674Das ist der eine Kollege von Caspar, nennen wir ihn Melchior. Er steht neben dem angeschwärzten Caspar im Gewände des inneren Portals der Turmhalle. Er ist in den besten Mannesjahren und wohl Europäer. Wie seine beiden Kollegen ist er unterwegs zum Jesuskind, das die Trumeau-Madonna auf den Händen hält. Sie steht, wie der Name sagt, vor dem Steinpfeiler in der Mitte dieses Portals, dem Trumeau.

Melchior gilt wie Caspar und Balthasar als heilig. Damit hatten sie nach ihrem Tod, anders als wir sündigeren Sterblichen, nicht ihre Ruhe. Sie müssen eine zweite Karriere als Reliquien absolvieren. Die begann, wie die Überlieferung weiss, in Kleinasien, wo sie verstorben waren und begraben wurden. Aber nach 250 Jahren wurden sie von der vortrefflichen Nase der besten Reliquienjägerin der Spätantike, der Heiligen Helena, aufgespürt. Sie war die Mutter des weniger heiligen Kaisers Konstantin. Deswegen wurden sie in die Kaiserstadt Konstantinopel, das spätere Istanbul, gebracht. Von dort wurden sie ein paar hundert Jahre später aus unerfindlichen Gründen nach Mailand verschenkt und dort von den Mannen Barbarossas bei der Zerstörung Mailands im Jahr 1162 gefunden. Nun, böse Zungen sagen, dass die Mannen Barbarossas irgendwelche alten Knochen in die Hände bekamen. Sie wurden von irgendwem als von den Heiligen Dreikönigen stammend bezeichnet; denn solche Reliquien waren im Machtpoker zwischen Kaiser und Papst ersterem sehr nützlich. Das sei historisch erwiesen, mehr nicht, sagt der Historisch-Kritische in der Redaktionskonferenz. Aber ihr weiteres Schicksal liegt  hell im Lichte der Geschichtsforschung: Barbarossa schenkte sie seinem Kanzler Rainald von Dassel, der auch Erzbischof von Köln war. Und deswegen sind sie seit dem Jahr 1164 in Köln. Bald waren sie von einem kostbaren goldenen Schrein umgeben (Bauzeit 1180 – 1225). Etwas später hat sie der dortige Dom (Grundsteinlegung 1248) überwölbt, den es ohne sie nicht gäbe. Denn mit den Pilgern und dem Geld, das diese brachten, und dem Prestige, das mit ihnen verbunden war, machten sie aus Köln das, was es wurde und ist.

Am nächsten Wochenende der dritte im Bund, Balthasar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s