Balthasar

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Das ist der dritte Heilige Dreikönig, Balthasar, der vorderste im linken Gewände des Turmhallenportals. Er kniet schon vor dem Christkind, das etwa 5 Meter rechts von ihm auf den Armen der Trumeaumadonna sitzt, und steckt ihm sein Mitbringsel entgegen. Er schaut nach oben zum Engel, der ihm nochmals bestätigend den Stern von Bethlehem vor die Nase hält; die Adresse stimmt also. Höflich hat er schon mal den Hut, das heisst seine Krone, abgenommen und auf sein Knie gelegt.

Und jetzt, wo‘s am Schönsten wird, meldet sich  wieder die leicht nörgelnde Stimme des historisch-kritischen Bibellesers: Den Balthasar hat es gar nicht gegeben, auch nicht seine beiden Mit-Könige. Es kamen keine Magier und schon gar keine Könige im Jahr Null nach Bethlehem zu einem zu Kreißsaal und Babystation umfunktionierten Stall: Es gab dort nichts Derartiges. Jesus wurde vermutlich im Jahr 6 vor seiner Geburt irgendwo geboren, sicher nicht in Bethlehem. Sogar  Nazareth ist fraglich; denn die Angabe, er stamme von dort, beruht vielleicht auf einem sehr frühen Missverständnis. Die Geburt erfolgte unter ordentlichen Bedingungen in einem Wohnhaus, sicher mit Hebamme. Falls es im Winter geschah, war das Haus gut geheizt. Weder irgendwelche Hirten noch Magier noch Könige hatten irgendeinen Anlass gesehen, dem Baby einen Besuch abzustatten. Und der spottende  Tor fügt an: Die Geburt in Bethlehem, der Stadt Davids, war ein Publicitygag der Jesuspromotion. Die Geschichte diente der Unterstreichung der von ihm beanspruchten Messianität. Sie  gehört ins Reich gezielt propagierter Zwecklegenden, heute Fake News genannt.

Aber wir Ministranten lassen uns nicht alles kaputtkritisieren. Was nützt ein Denken, das uns unsere Träume nimmt, das Beste, was wir haben? Wir wollen die Heiligen Dreikönige behalten, und mit ihnen den zugigen Stall, die Hirten, Ochs und Esel, Josef und, besonders wichtig, mittendrin die lächelnde Jungfrau mit ihrem gesunden Baby. Und wir haben Beweise, dass es  das alles gegeben hat: Auf dem Berg Athos werden immer noch die Gaben der Könige, die sie dem Kind brachten, aufbewahrt und verehrt: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die Jungfrau hatte sie aufgehoben.

Die nächste Miniatur am nächsten Wochenende ist dem Floh in der Krippe gewidmet.

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