Die unschuldige Eva

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Wir haben sie schon kennengelernt, am Anfang der Reihe der Patriarchen in der Laibung um das Turmhallentympanon. Unten links gegenüber ihrem Mann steht dieses allerliebste  Evchen mit Unschuldsblick. Und sie ist wirklich unschuldig. Die Ugarittexte über den Anfang der Menschheit beschreiben es ja, wie in der Miniatur mit der Paradiesesschlange (Paradiesesschlange II) schon erwähnt: Die „liebe Frau“, und das muss Eva sein, kam erst ganz am Schluss dazu, als das ganze Götter-Männer-Schlamassel mit dem Schlang (sie oder besser er war ja männlich) und Adam schon fertig war; folglich hat sie mit all dem nichts zu tun. Auf Grund dieser Ergebnisse der niederländischen Bearbeiter dieser Texte kommt das Internet (watson.ch) zum Schluss: „Die Bibel liegt falsch: Eva war unschuldig“. Da der mutmasslich ältere Text sicher historisch verlässlicher ist als die Bibel, hat das Redaktionsteam mehrheitlich dem Freispruch für Eva zugestimmt. Nur der Historisch-Kritische hüstelte etwas und meinte, die Historizität von Göttergeschichten würde in der wissenschaftlichen Literatur doch überwiegend kritisch gesehen, und so sei die ganze Argumentation etwas problematisch. Wir anderen distanzierten uns von dieser frauenfeindlichen Äusserung.

Und dann können wir ja auch Frauen zu Weiheämtern in der katholischen Kirche zulassen. Denn alle angeblichen Argumente dagegen sind  genauso haltlos wie das hiermit ausgeräumte, die Erbsünde sei letztlich vor allem Eva und damit den Frauen anzukreiden. Allerdings wird in Rom nach wie vor gar nicht argumentiert, es wird einfach behauptet, und zwar folgendes: Es sei ganz einfach so, dass Gott und Jesus Christus immer schon Frauen nicht in Weiheämtern haben wollten. Warum? Weil sie es so wollten, Punkt. Sind sie uns dafür vielleicht Rechenschaft schuldig? Nein, sicher nicht. Und das auch heute so zu halten sei „die treue Beachtung eines Ratschlusses, der der Weisheit des Herrn des Universums zuzuschreiben ist“. Das wurde so formuliert vom inzwischen heiligen Papst Johannes Paul II. in „Ordinatio sacerdotalis“.  Das ist das Lehrschreiben, in dem er sogar zum Dogma erklärt hat, dass Kelch, Hostie und Messgewand auf immer und ewig halleluja halleluja tabu sind für Frauenhände. In der Redaktionskonferenz freute das unseren Toren ungemein: Nach Meinung dieses Papstes habe Gott, der Herr des Universums, erst dieses Universum geschaffen, also den Urknall gezündet mit allen Implikationen – Quarkse, Atome, Galaxien, Supernovae, Schwarze Löcher und vielleicht auch Dunkle Materie. Und dann, mental so gelockert oder vom Knall etwas benommen, habe er die Struktur der katholischen Kirche ersonnen mit nur XY-Chromosomlern als Besetzer von Weiheämtern. Der Tor meinte ferner, offensichtlich schütze eine gewisse Beschränktheit nicht vor Heiligsprechung, und er fügte hinzu: Der Mensch schafft Gott nach seinem Bilde – diese Kirchenfürsten meinen, Gott halte die Frauen genauso für entbehrlich wie sie selber es tun. – Für diese respektlosen Bemerkungen über einen heiligen Heiligen Vater bekam er die Gelb-Rote  Karte.

Frau J. erzählte letzthin, ihre Freundin M. sei engagierte Messdienerin gewesen; der Knacks sei bei ihr gekommen, als sie merkte, dass sie nie Priesterin werden konnte; da habe sie das Gefühl gehabt, für sie sei in der Kirche eigentlich kein Platz. Da ging sie raus, und ihre Kinder blieben dann gleich draussen.

Die nächste Miniatur am nächsten Wochenende wird leider nicht ganz jugendfrei sein.

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