Der besinnliche Heilige Josef

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Man muss genau hinschauen, wenn man ihn sehen will. Er sitzt  oben im Tympanon des Innenportals der Turmhalle in der untersten Zeile ziemlich rechts, der Hl. Josef. Er gehört eher zu den Verlierern der (Heils-)Geschichte. Er hatte eine junge Braut, und wenn man den vielen, vielen Tausenden Marienbildern glauben will, war sie einfach perfekt schön. Die Mariologie lehrt uns zudem, dass sie nie gesündigt hat, es gar nicht konnte mangels Erbsünde. Und er selber hatte ja auch das Zeug zum Heiligen. Das zusammen hat die Auftretenswahrscheinlichkeit schwererer Konflikte in ihrer versprochenen Ehe gewaltig reduziert. Man darf annehmen, er war glücklich. Und dann kam ein anderer. Der liess seiner Maria einfach  sagen, dass sie von ihm, dem anderen, ein Kind kriege. Und sie willigte sofort ein, obwohl mit ihm, dem Josef, versprochen und verlobt, und obwohl sie gar nicht gefragt worden war. Das tat sie ohne wenn und aber und ohne es mit ihm zunächst einmal zu besprechen (Lk 1,38). Diese Enttäuschung und Verletzung muss man sich mal vorstellen. Und dann der Gipfel von allem: Sie zog nicht etwa mit Sack und Pack zum anderen und gab ihm, dem Josef, so die Möglichkeit, sie zu vergessen und anderweitig sein Familien- und Vaterglück zu (ver-)suchen. Nein, sie wollte von ihm geheiratet werden, nur um mit ihrem Kind von ihm betuttelt und versorgt zu werden und um ihm auf Dauer und ehelang zu zweit auf der Tasche liegend die kalte Schulter zu zeigen. Von Alimentenzahlungen des Kindsvaters ist nirgends die Rede; ebenso wenig von seiner Bereitschaft, das Kind gelegentlich am Wochenende in Obhut zu nehmen, damit er mit ihr mal unbeschwert was unternehmen konnte. Und jetzt hat sie das vor- und aussereheliche Kind geboren. Sie liegt, von Engeln umflattert, im wunderbaren Bett, denn aus dem Stall ist man inzwischen umgezogen. Und ihm, am Fuss des Betts seiner Rolle entsprechend sehr unauffällig hockend, den Judenhut auf dem Kopf, geht wieder einmal seine suboptimale Lage durch denselben. Kultivierte Sprecher sagen neuerdings ja nicht „beschissen“, sondern „suboptimal“.

Diese extrem einseitige Interpretation dieses Bildes durch unseren  Toren wird nächste Woche eine Ergänzung erfahren durch ein weiteres, diesmal vom Ministranten kommentiertes Bild unseres Heiligen. – Der Ministrant überlegt sich, ob er den Toren aus der Redaktionskonferenz heraus mobben will. Was haltet ihr davon, liebe Besucherinnen und Besucher?

2 Kommentare zu „Der besinnliche Heilige Josef

  1. Ohhh!!, liebe, hochverehrte Redaktionskonferenz, bitte mobbt keinen aus Eurer prächtiger Runde heraus!!
    Und besonders nicht den Toren(!!), da, wie ich lese, er zum größten Teil zu diesem Beitrag beigetragen hat! 😉
    Ich amüsiere mich, jedes mal köstlich, wenn ich eure Beiträge lese!!!
    Und der armer „besinnlicher Josef“ hat (in meinen Augen) sogar den „Floh in der Krippe“ getoppt!!
    Bitte mach weiter so!!

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  2. Vielen Dank für Ihre motivierende Zuschrift! Der Historisch-Kritische und ich haben dem Ministranten darauf hin zugeredet, und er versprach, seine mobbingmässigen Aktivitäten bestmöglich einzuschränken. Bei dieser Gelegenheit betonte er allerdings erneut, der ihm zugemutete friedliche Umgang mit dem Toren sei eine schwierige Übung in christlicher Nächstenliebe für Fortgeschrittene. N.S.

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