Selige Knaben

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Diese Jünglinge haben es geschafft, am Ende der Zeiten sind sie mit ihren Schicksals- oder sagen wir besser Heilsgenossen als Selige dabei, aufzuerstanden, um in das ewige Leben einzugehen. Es ist eine schöne, friedliche, liebevolle Gesellschaft.

Etwas irritierte mich aber sogleich, als ich mit dem Teleobjektiv da oben, im Tympanon der Turmhalle, im erste Register in der zweiten Zeile von unten, wo die Toten zum jüngsten Gericht auferstehen, linker Hand, zugange war: Die Jünglinge tragen die paradiesisch-endzeitliche Uniform der Auferstehenden, sind also nackt. Erst eine Zeile höher werden sie himmlisch eingekleidet sein. Und da fehlt bei ihnen weiter unten etwas, was beispielsweise bei griechischen Statuenjünglingen deutlich zu sehen und in den Vatikanischen Museen hinter dem Feigenblatt wenigstens zu denken ist. Da ist bei den erstandenen Jünglingen gar nichts. Kein Münsterführer hat mir das Rätsel gelöst, ich musste selber denken und kam zu folgender Einsicht: Nach Auskunft Jesu in den Evangelien heiratet man im Himmel nicht mehr (Mk 12,25). Und da meinten die die Steinmetze beratenden Theologen des zu Ende gehenden 13. Jahrhunderts, die Sachen, die nach kirchlicher Lehre a) sowieso suspekt und b) nur in der Ehe gottgefällig zu gebrauchen seien, würden bei der Auferstehung des Fleisches gleich ganz weggelassen. Trübe Aussichten fürwahr. Der Islam bietet allerdings mit seinem Gegenprogramm auch keine attraktive Alternative; das ist das andere ebenso unliebsame Extrem.

In der Redaktionskonferenz haben wir uns über unsere Erwartungen an den Himmel unterhalten. Der Ministrant möchte dort dann und wann ein zünftiges lateinisches Hochamt erleben, mit Weihrauch und Gregorianischem Choral und ein anderes Mal mit Mozart oder Haydn. Ich selber habe mich nicht weiter festgelegt, auch weil ich nicht sicher bin, dass das für mich relevant ist; falls doch, wäre ein kleiner Wunsch, dass mein Fotoapparat dort nicht mehr wackeln würde und dass mein Telezoomobjektiv nicht mehr knapp 2 kg, sondern nur noch 20 Gramm wiegen möge. Der historisch-kritische Bibelleser möchte alle die Herren kennenlernen, die das Alte und das Neue Testament verbrochen haben und möchte sie fragen, wie das wirklich war, was sie verlässlich gewusst, spekuliert, phantasiert oder bewusst gelogen haben.  Der spottende Tor möchte dort ganz lieb sein und der verehrten Jungfrau Maria das geliebte Freiburger Münster zeigen mit den ungefähr 125 Marienbildern und sie danach zu einem Cappuccino mit einem Cornetto einladen bei Lazzarin auf dem Balkon über dem Münsterplatz. (Ob es den auf der neuen Erde noch geben wird?) Und sollte sie ihren Jungen dabei haben, will er Konrad Kunze bitten, ihm die vielen Tiere im und am Münster zu zeigen.

Gibt es die ewige Liebe? Dieser Frage gehen wir nächste Woche nach.

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