Der gramvolle Fürst dieser Welt – Teufel IV

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Der Ministrant hat früher einmal gelernt: Nach dem Höllensturz bilden Satan und die anderen Ex-Engel mit ihrem Gefolge von anderen gefallenen Engeln bzw. neu dazugekommenen Dämonen ein mächtiges „Reich der Finsternis“. Es steht dem göttlichen „Reich des Lichtes“ unversöhnlich gegenüber. Und ab jetzt sind die Götter anderer Leute bzw. Völker nicht mehr „Nichtse“, wie es bei den Propheten hiess, sondern sie rekrutieren sich  aus den durchaus mächtigen Dämonen. Die Folgen sind unabsehbar: Ab jetzt gibt es neben Gott, dem Guten,  auch das Böse und den Bösen. Die Welt ist zweigeteilt, dualistisch. Es gibt das Reich des Guten, des Göttlichen, mit seinem Zentrum sozusagen oben im Himmel. Und es gibt das Reich des Bösen, häufig als Reich des Satans oder Teufels bezeichnet mit seinem Zentrum sozusagen unten, in der Hölle; und zum Teufel gehört eine Vielzahl kleinerer Teufel und Dämonen.

Der Historisch-Kritische merkt an: Dieses Universum hat erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Kosmos der Perser, den zugegebener Massen nur sehr vielleicht der Xerxes seiner Esther beschrieben hat. Und so wird in der Literatur öfters vermutet, dass dieser Wandel der Welt-Anschauung in Teilen des Judentums unter Zuhilfenahme persischer weltanschaulicher Elemente erfolgt sei. Und wie die amerikanische Religionswissenschaftlerin E. Pagels in „Satans Ursprung“ ziemlich plausibel macht, erfolgte das in einer Zeit extremster innerjüdischer Konflikte. Es ging um die Frage der Anpassung der jüdischen Kultur an die „Segnungen“ des Hellenismus. Und hier wurde ein Kampfstil entwickelt, der sich über 2200 Jahre bis heute gehalten hat: Die Verteufelung des Gegners. Und dafür musste man den Teufel erfinden, behauptet der spottende Tor.

Und einen hübschen Nebeneffekt habe das Ganze noch, merkt der Tor genüsslich an. Er mache seitdem allen Vertretern der Firma „Gott und Sohn“ das Leben sehr viel leichter. Die unbeantwortbaren Fragen der Theodizee, die Fragen nach dem guten Gott und dem Leid in der Welt, hätten eine überzeugende Scheinantwort gefunden: An allem Leid ist der Teufel schuld – und natürlich auch die ihm folgenden sündigen Menschen.

Schön wäre es, wenn diese beiden Reiche nun fein säuberlich geschieden wären, aber  hier bei uns auf der Erde überlappen sie sich sozusagen, und beide haben Expansionstendenzen, und zwar gerade unter den Menschen, und es sieht so aus, als wäre Satan der Chef hier auf Erden. Und so nennt ihn Jesus (Joh 12,31) „Fürst dieser Welt“; denn auch Jesus hatte dieses Weltbild und gab es weiter an seine Jünger, wenn sie es nicht sowieso schon hatten.

Hier im Bild haben wir ein scheußlich-schönes Exemplar dieser Teufel. Schon in den apokryphen jüdischen Schriften, die uns  Satan als Bösewicht bescherten, wird erwähnt, dass die gefallenen Engel ihre herrliche Schönheit eingebüsst hatten und widerlich aussehen. Das lässt der künstlerischen Phantasie weiten Raum. Hier steht der sogenannte betende Teufel aus dem Turmhallentympanon, der in Wirklichkeit ein gramvoller Teufel ist und dem Seelenwiegen händeringend zuschaut. Er ist annähernd gleich gross  wie der seelenwägende Michael; er steht auf der Paradiesesschlange  – ihr Kopf schaut zwischen seinen linken Zehen vor; er nimmt die ganze Sache sehr persönlich. Deswegen vermute ich, dass er Satan bzw. Luzifer, der Fürst dieser Welt, persönlich ist.

 

2 Kommentare zu „Der gramvolle Fürst dieser Welt – Teufel IV

  1. Aber ist denn die Schlange aus dem Paradies und der Teufel nicht eine und die selbe Person?
    Es sollte doch der Luzifer selbst sein, der die Gestallt der Schlange angenommen hat um den Menschen vorzulügen: „lhr werdet sein wie Gott!“ Und hat so die Menschen in seinen Sturz einbezogen.
    Könnte es sein, dass hier im Bild die Zurückverwandlung dargestellt wird?
    Die Schlangenhaut ist abgelegt und zum Vorschein kommt die wahre Gestalt. Auch die Bezeichnung „betender“ würde mir nicht als erste in den Sinn kommen, wenn ich den Kerlchen hier so betrachte. Es sieht für mich mehr danach aus, als ob er gerade sagt : „Ach, wie toll ich doch das alles eingefedelt habe! Einfach vorzüglich!!“ Und reibt sich genüsslich die Hände.

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    1. Ja, es war sicher Luzifer persönlich, der als Schlange in Erscheinung getreten ist; die Ursprungsschweinerei mit der Apfellüge hat er sicher keiner Hilfskraft überlassen. Und dann ist es eine spannende Frage, was in unserem Tympanon die Abbildung der Schlange zwischen seinen Krallen bedeutet. Die Erklärung des Bildes als Darstellung der Rückverwandlung in die wahre teuflische Gestalt ist sehr plausibel; leicht modifiziert könnte man auch frei nach Goethes „Faust“ sagen: „Das also war der Schlange Kern.“
      Was den „betenden“ Teufel angeht, so ist diese Bezeichnung sicher falsch, aber ein nicht ausrottbarer Bestandteil der Freiburger Folklore. Er knetet seine Hände; ob das lust- oder qualvoll geschieht, ist aus der isolierten Figur allein nicht zu klären, da hilft nur der Zusammenhang in der Bildergeschichte des Tympanon. Und da scheint Luzifer rüberzublicken zum seelenwiegenden Michael, der gerade eine fromme Seele quantifiziert, was Luzifer grosse Pein zu bereiten scheint.

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