Der Höllenschlund – Teufel V

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Natürlich siegt im eschatologischen Kampf der Apokalypsen der „Fürst des Lichts“ bzw. Gott. (Anders als im  Kampf mit den verteufelten Römern in den Jahren 66 bis 73 und 132 bis 135 n.Chr. Diese Kriege waren ideologisch gestützt von der apokalyptischen Hoffnung vieler Juden, endeten aber trotzdem schrecklich für sie.) Und das ganze kulminiert im Endgericht am Ende der Zeiten, in dem die guten Menschen auf ewig in den Himmel oder an bedeutungsgleiche Orte gelangen, Satan und Co. und ihre menschlichen Komplizen in die ewigen Qualen der ewigen Hölle, die auch in dieser wildbewegten Zeit vor Christi Geburt entdeckt oder erfunden wurde – (der) Scheol des Alten Testaments ist zwar ein düsterer Ort der Toten, aber kein Ort der Qualen – und vom jungen Christentum spornstreichs übernommen wurde, wie der historisch-kritische Bibelleser zugeben muss.

Diese Hölle verschlingt alles, was das Endgericht ihr liefert, wie der Rachen eines schrecklichen Untiers. Und so sieht man auf unserem Bild aus der Gerichtsszene des Turmhallentympanons,  wie zwei geschäftige Teufel an einer langen Kette eine Schar Verdammter in den höllischen Rachen zerren. Mir gefiel zunächst sehr die scheinbar sozial- und kirchenkritische Note: An erster Stelle ein König, dem der eine Teufel die Krone vom Kopf reisst, gefolgt von Bischof und Papst. Aber war das wirklich Sozialkritik? Hiess das nicht eher: Ungerechte Herren werden im Jenseits bestraft, deswegen überlass das dem Himmel und buckle hier brav. – Das Dreigestirn Papst, Bischof, König, diesmal sogar mit Königin, führt übrigens auch den Reigen der auferstandenen Seligen auf der anderen Seite des Tympanons an.

Ja, es hat alles zwei Seiten. Natürlich ist das gesamte Redaktionsteam froh, dass beim jüngsten zielgruppenorientierten  Weichspülen des Katholizismus die Hölle ziemlich verblasst ist, das Christenleben wurde viel gemütlicher, die Sünden des Tages rauben einem nicht mehr den Nachtschlaf. Aber es hat doch dem Ministranten sehr gut getan, wenn er angesichts erlebter kleinräumig-persönlicher oder globaler Schweinereien in seiner Ohnmacht denken konnte: Aber die holt sicher der Teufel und dann schmoren sie ewig in der Hölle, und darüber und darauf hat er sich sehr gefreut. Jetzt geht das nicht mehr.

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