Bernhard von Baden I

IMG_1976 - Kopie

Vielleicht war Karl Valentin im Freiburger Münster, bevor er um 1939 herum sein berühmtes Lied von den Alten Rittersleut dichtete: So ein früh’rer Rittersmann hatte sehr viel Eisen an. Die meisten Ritter, I muss sogn, hat deswegen der Blitz erschlogn.

Denn hier steht so einer, wie man sie sich im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, im Chor innerhalb der Marienpforte. Der Ritter, vielleicht von 1858, dem 400. Todestag des Kavaliers, steht auf einem Renaissancebrunnenstock. Es ist der selige Markgraf Bernhard von Baden,  mit dem Badische Wappen auf dem  Schild. Er wirkt ziemlich martialisch. Zu Lebzeiten wird er wohl eher selten so herumstolziert sein.

Gelebt hat er von etwa 1428 bis 1458, nicht sehr lange, aber nicht, weil er vom Blitz erschlogn worden wäre. Eine Seuche, wohl die Pest, raffte ihn auf einer diplomatischen Reise im italienischen Moncalieri in der Gegend von Turin hinweg. Von Beruf war er 2. Sohn des Markgrafen Jakob I. von Baden und kurze Zeit Regent, adliger Soldat und Diplomat. Wie er sich auf den Kriegszügen, an denen er teilnahm, aufgeführt hat, ist (mir) nicht bekannt.

In Moncalieri begraben, machte er sogleich durch ihm zugeschriebene Wunder eine bella figura.  Dann sein Lebenswandel – keine Frauen, eine Braut aus bestem Hause, Madelaine de France, Tochter des französischen Königs, die ihm irgendwer besorgt habe, soll er in die Wüste geschickt haben; keine Lustbarkeiten; von seinen Einkünften soll er ein Drittel selber genutzt, ein Drittel der Kirche und ein Drittel den Armen gespendet haben; ausgeprägte Frömmigkeit. Das zusammen ermöglichte 311 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1769 seine Seligsprechung. Wieso das dann? Knapp 80 Jahre nach Bernhards Tod wurde die Markgrafschaft Baden durch Erbteilung aufgeteilt in eine Baden-Durlacher und eine Baden-Badener Hälfte. In der Folge der Reformation blieb Baden-Baden katholisch, Baden-Durlach wurde protestantisch. 1771 starb der letzte Baden-Badener Markgraf August Georg Simpert ohne Erben, und damit fiel das katholische Baden-Baden wieder mit dem protestantischen Durlach zusammen und kam unter einen protestantischen Markgrafen. Im Vorfeld hatte der Verstorbene, ein sehr guter Landesvater, in einem Erbvertrag mit den Baden-Durlachern die Religionsfreiheit seiner Untertanen gesichert. Gleichzeitig hatte er die Seligsprechung Bernhards vorangetrieben – zur Stützung des katholischen Glaubens seiner Landeskinder?

Aber was ist eigentlich ein Mark-Graf? Karl der Grosse hatte „Marken“ eingeführt als sicherheitspolitisch besonders wichtige Verwaltungsbezirke in gefährdeten Grenzregionen. Eine der frühesten war die 774 gegründete Mark Verona im heutigen Oberitalien. Im Jahr 1061 wurde ein Graf Berthold, der grosse Ländereien in der Ortenau, im Thurgau, im Breisgau und auf der Baar hatte und Stammvater auch der Zähringer wurde,  Herzog von Kärnten und Markgraf von Verona, konnte sich aber dort nicht halten. Sein Sohn Hermann erbte  nominell die Markgrafschaft Verona und somit den prunkvollen Titel „Markgraf“. Dessen Sohn Hermann (II.) nannte sich als erster „Markgraf von Baden“, obwohl das Badener Ländle nie Markgrafschaft war. Der Titel blieb in der Familie, bis ein später Enkel  durch Napoleons Gnaden zunächst 1803 „Kurfürst“ und 1806 „Grossherzog“ wurde.

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