Der heilige Alexander von Rom I

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Man wird ihn wohl als schneidig bezeichnen dürfen, den Hl. Alexander von Rom, wie er da auf seiner Säule vor dem Hauptportal des Münsters steht. Siegeskranz um das Haupt, elegantes Schnurrbärtchen, Klamotten vom feinsten, barocker adliger Herr (er ist ja ein „von Rom“) des frühen 18. Jahrhunderts. Er macht das zusammen mit der Jungfrau Maria und dem Hl. Lambertus, den beiden anderen Patronen der Stadt Freiburg,  seit dem Jahr 1718. Das Original der Figur stammt von damals und ist heute im Museum.

Damals haben die Vereinigten Landstände Vorderösterreichs dem Münster diese drei „Patronatssäulen“ gestiftet. Diese Vereinigten Landstände umfassten den Prälatenstand, Vertretung der hohen Geistlichkeit, den Ritterstand, Vertretung des Adels, und das „ständische Kollegium“ von vier breisgauischen Städten im damaligen Sinn von Breisgau, denn Waldshut gehörte auch dazu. Es war ein ständisch organisiertes Organ der Vertretung lokaler politischer Kräfte gegenüber dem Kaiser. Die Schenkung erfolgte auf Anregung des Freiburger Ratsherrn und Münsterpflegers Johann Christoph Rieher, der sich auch um die übrige Barockisierung des Münster verdient gemacht hat, wie man im Artikel von H.G. Wehrens im „Freiburger Münsterblatt“ 2016 nachlesen kann. Damals umgab die alte Friedhofsmauer noch das Münster und liess vor dem Turm den Zugang frei. Exakt in diese Lücke platzierte man die Säulen, wo sie vermutlich noch mehr im Weg standen als heute.

Natürlich schaute ich im Netz nach, was eine „Patronatssäule“ ist. Merkwürdigerweise scheint es nur in Freiburg solche Geräte zu geben, undefiniert. Gelegentlich werden die Freiburger Säulen  auch als „Pestsäulen“ bezeichnet. Es ist denkbar, dass sie im Geiste dieser Mode im Habsburgerreich entstanden zum Ausdruck des strammen Freiburger Katholizismus.

Der Hl. Alexander ist also einer der drei Schutzpatrone der Stadt, vermutlich seit dem Jahr 1651, als er den Hl. Georg in diesem Amt ablöste, wohl weil der der Stadt keine Reliquien hinterlassen hatte, Alexander aber sehr wohl. Indirekt proportional zu seiner lokalen Bedeutung ist jedoch die Menge der über ihn verfügbaren Informationen. Soviel konnte der Ministrant über ihn im Ökumenischen Heiligenlexikon erfahren: Alexander von Rom lebte am Ende des 3. Jahrhunderts als Soldat, wie auch unser Bild zeigt, und Christ im damals noch heidnischen Rom und fand wegen seines unerschütterlichen Glaubens den Tod als Märtyrer: Er hatte „in Gegenwart Kaiser Maximians Götzenbilder umgeworfen und mit Füssen getreten…, worauf die Umstehenden ihn erdolchten.“ Man könnte sagen, er war Self-made-Märtyrer. Er wurde standesgemäss, weil Märtyrer, in der Priscilla-Katakombe begraben. Die ganze grosse Katakombe geriet am Ende der Antike in Vergessenheit und wurde im Jahr 1578 zufällig bei Arbeiten in den inzwischen dort bzw. darüber kultivierten Reben wieder gefunden. Und da hatte es dann bald mit seiner Totenruhe ein Ende.

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