Satansbraten

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Die mittelalterliche Welt war gnadenlos, sowohl im Dies- wie im Jenseits. Wie üblich in der Kirchengeschichte war das Jenseits ein Spiegelbild des Diesseits – der Mensch schafft den Himmel und die Hölle nach dem Bild seiner Lebenswelt. Im Diesseits gab es schlimme Leibes- und Todesstrafen, im Jenseits drohte entsprechend spiegelbildlich Dantes Hölle.  In Europa hat inzwischen das Straf- und „Sühne“ = Rachebedürfnis in der Bevölkerung abgenommen, entsprechend wurde der sogenannte Strafvollzug verändert und die Todesstrafe wurde abgeschafft. In der Folge wurde auch die Hölle samt Teufel  aus der(deutschen) katholischen Kirche eliminiert.

Im Tympanon der Turmhalle haben wir noch die auferstehenden Sünder, die zur Hölle fahren, rechts vom Gekreuzigten und dem Weltenrichter darüber, also zur Linken des Herrn in seiner Perspektive. Es ist interessant, was die Sünder von den auferstehenden Gerechten unterscheidet: Letztere helfen sich geschwisterlich aus dem Grab und sie ziehen sich hurtig an. Erstere quälen sich einzeln und allein unter ihren schweren Grabplatten hervor, während die, die schon oben sind, unbeteiligt zuschauen. Und sie bleiben zunächst nackt. Zu Lebzeiten haben sie Bedürftigen auch nicht geholfen, und sie haben Unzucht getrieben, wobei  bekanntlich Klamotten (meist) nur stören. Recht so, dass sie in der Bildzeile drüber ins ewige Feuer fahren.

 

Wenn man genau hinsieht, kann man die Satansbrut in dem heilsgeschichtlichen Gewussel des Tympanons entdecken:

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