Jesus Christus I

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Jesus Christus heisst der Gründer und Chef der Kirche. Seine Mutter rief ihn „Jeschua“ = „Gott hilft“, wenn er, im Abfallholz seines Nährvaters Josef spielend, seine Hausaufgaben vergessen hatte. Dieser häufige aramäische  Name wurde über die griechische und lateinische Fassung „Jesus“ uns vertraut.

„Christus“ ist kein zweiter Vornamen und auch kein Familiennamen, sondern sozusagen seine Berufsbezeichnung. Der Historisch-Kritische war fleissig: „Christus“ ist die lateinische Version des griechischen „Christós“, was „der Gesalbte“  heisst, auf hebräisch „Maschiach“, was seinerseits auch als „Messias“ gräzisiert wurde, aber immer noch „Gesalbter“ bedeutet.  Jesus ist „Christus“, also der „Gesalbte“; so wird es im Neuen Testament ständig eingebläut. Wer oder was war nun ein „Gesalbter“? Das, so müssen wir feststellen, änderte sich im Lauf der Zeit.

Im Alten Testament ist es noch einfach, da meint „Gesalbter“ eine von Gott autorisierte und eingesetzte Spitzenkraft, einen Priester, einen Propheten, aber vor allem den König in Jerusalem; „der Gesalbte des Herrn“ meint den von Gott berufenen und autorisierten Jerusalemer König.

Wie man in Jerusalem darauf kam, den neuen König einzucremen, ist unbekannt. Nachbars machten es nicht. Die Rezeptur der Crème ist allerdings bekannt, ein Gemisch aus Zimt, Zimtnelken und anderem auf der Basis von Olivenöl, vgl. Ex 30, 23f. Aber bitte nicht nachmachen, das ist strengstens verboten, die Mischung scheint patent- oder gebrauchsmusterrechtlich geschützt zu sein, vgl. Ex 30, 33.

Der gesalbte König ist kein Weichei, mit des Herrn Hilfe zerschlägt er seine Feinde „zu Scherben wie des Töpfers Gefäße“ (Ps 2,9), was G. F. Händel uns ja sehr schön vertont hat. Aber dieser König war doch kein „Messias“; denn wir wissen inzwischen: „Messias“ heisst zwar wortwörtlich übersetzt „Gesalbter“, aber es ist auch allgemein bekannt, dass das Wort inzwischen einen Retter besonderer Qualität bezeichnet, der alles und endgültig rettet. Bis das aber so weit war, brauchte es noch etwas Religionsgeschichte bzw. Offenbarungsentwicklung.

Zunächst hielt die Pracht des Jerusalemer Königtums wider Erwarten nicht ewig, im Jahr 586 v. Chr. mit der Zerstörung Jerusalems durch die Assyrer war sie zu Ende. Trotzdem, schon zuvor angesichts drohender aussenpolitischer Gefahren und dann nach der Zerschlagung des Jerusalemer Königtums, erhoben sich Stimmen, die darauf vertrauten, dass Gott seine alten Versprechungen, den Thron Davids bzw. sein Volk nicht untergehen zu lassen, einlösen werde. Da  war zum einen der Prophet Jesaja. Er redete von einem künftigen Fürsten, der alles richten werde. Aber er war ein absonderlicher Fürst, kein Haudegen, sondern ein Friedensfürst (Jes Kap. 9 und 11). Auch andere Propheten redeten von einem künftigen Retter-Fürsten.  Aber „Gesalbter“ wird der nirgends genannt.

Ein späterer Prophet, dessen Botschaft der des Jesaja subsumiert wurde, offeriert eine noch befremdlichere Gestalt, den leidenden „Gottesknecht“, eine etwas rätselhafte geschundene, gemarterte, gemordete Figur (Jes Kap. 42ff). Und natürlich ist auch in diesen Texten das Wort „Gesalbter“ nirgends zu finden. Ein „gesalbter“ Retter existiert  im Alten Testament nicht.

Unser Bild zeigt den „Gesalbten des Herrn“ par excellence, den König David, wie er in der Königs-Archivolte um das Tympanon in der Turmhalle steht, ganz unten rechts und direkt links von Adam und oberhalb der Maria-Elisabeth-Figuren, die in der rechten Laibung stehen.

Ob man am Hof der Grafen von Freiburg oben auf dem Schlossberg mit einem solchen schönen Instrument musizierte? Dann könnte der Hund an der Harfe Waldi heissen.

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