Die Grafen von Freiburg laden zum Fest

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Hier auf dem Bild haben wir wirklich so etwas wie eine Miniatur, eine Kleinigkeit- die Figürchen messen vielleicht  25 cm. Es sind drei Spielleute, zwei Musiker und ein Artist, die vor herrschaftlichem Tisch königliche Hoheiten mit Musik und Tanz erfreuen. Die Damen und Herren der Festgesellschaft darüber sind in der Mode des 13. Jahrhunderts gekleidet; so darf man auch annehmen, dass hier Spielleute derselben Zeit ihre Aufwartung machen. So ging es also zu im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts oben auf dem Freiburger Schloss bei den Festen der Grafen von Freiburg. Der linke Musiker bläst eine Einhandflöte und schlägt zugleich den Takt mit einer Einhandtrommel, der rechte streicht kunstvoll die Fidel, die Urgrossmutter unserer Streichinstrumente.  Der Artist geht oder tanzt wohl nach der Musik auf den Händen. Diese Figur ist etwas rätselhaft, die Proportionen stimmen nicht recht, das Gewand ist überlang. Ob das der künstlerischen Freiheit bzw. den Grenzen der Kunstfertigkeit des  Steinmetzen zuzuschreiben ist oder ob gar ein behinderter Mensch hier das Publikum mit bizarren Sprüngen ergötzt, wie Phöbes Freundin H. ihr gegenüber geäussert hat, wagte die Redaktionskonferenz nicht zu entscheiden. Immerhin galt, Behinderte als Hofnarren zu halten, in den folgenden Jahrhunderten als politisch korrekt. Die Gestalten sind viel kleiner als die Herrschaften drüber – sie sind als fahrendes Volk sozial bedeutungslos.

Unsere Künstler präsentieren sich auf dem Fest, das König Herodes seiner unlängst erworbenen Frau Herodias gab (vgl. Mk 14,3-11), dem Fest also, während dessen Johannes der Täufer ermordet wurde. Sie spielen und tanzen fröhlich in dem Augenblick, als der Henker den Kopf des armen Johannes den Herrschaften und vor allem der schönen Salome präsentiert, deren Namen wir übrigens nicht aus der Bibel, sondern vom jüdisch-römischen Historiker Flavius Josephus  kennen. Dargestellt ist die Szene im Sockel der Figur des Königs Melchior im linken Gewände in der Turmhalle. Und die Linien über beide Fotos weg sind keine Kunst, sondern Taubendrähte, Taubendreck würde noch mehr stören.

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