Die Erschaffung Evas

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Wie es sein Name sagt, sehen wir am Schöpfungsportal an der äusseren Nordwand des Chors Gott den Herrn mehrfach als Schöpfer voll in Funktion, insgesamt zehn Mal, sechs Mal an den sechs Schöpfungstagen und vier Mal sonst wie beschäftigt. Die zehn Kompositionen sind eingefügt in die Archivolte um das Tympanon über dem Portal; die Erschaffung unser aller Mutter findet sich links ganz unten. Damit wäre eigentlich der Streit zwischen Kreationisten, Intelligent-Design-Vertretern und Evolutionisten leicht zu entscheiden: Kommt nach Freiburg und ihr seht, wie es war und was da in sechs Tagen geschehen ist.

Hier auf dem Bild ist der Schöpfer mit seinen problematischsten Geschöpfen beschäftigt, den ersten Menschen, an denen er nicht lange ungetrübte Freude haben sollte. Adam ist fertig und liegt wegen der Brustkorboperation in Narkose schlafend da und zeigt uns seinen reizenden Rücken, Evchen wächst in Gottes fürsorglichen Händen als strahlender Brillant für die Krone der Schöpfung. Fragt sich der Ministrant: Warum konnte es nicht so idyllisch bleiben, vor allem, warum hat er ihnen die Sache mit dem Obst so krumm genommen? Mal ehrlich, er war doch mindestens so viel schuld am ganzen, hat er doch Eva so wunderfitzig und Adam so treudoof seinem Weibe ergeben geschaffen. Oder gilt das Verursacherprinzip nur im deutschen Umweltrecht?

Die Schöpferfiguren stammen wie die Sündenfallbildfolge von circa 1360, sind also etwa 70 oder 80 Jahre jünger als die Gestalten aus der Turmhalle. Trotzdem sind sie grober, urtümlicher, fast primitiv; man sagt, das sei Parlerstil.

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