Die Grammatik

Auf der Südseite der Turmhallenwand, rechts von den liederlichen „törichten Jungfrauen“, stehen die allegorischen Gestalten der sieben „Freien Künste“, der „ Artes liberales“ der Spätantike und des Mittelalters: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Sie gliederten die Vorstellung davon, was ein „freier“, hier im Sinne von nicht zu körperlicher Arbeit verdonnerter Mann beherrschen musste, um als gebildet zu erscheinen, und danach auch die Struktur der neu entstehenden „Artistenfakultät“ der Universitäten. Hatte man sie absolviert, konnte man sich einer der anderen „Fakultäten“, Theologie, Recht, Medizin zuwenden. Die strenge Frau hier ist die „Grammatik“, zweifelsfrei erkennbar an der Zuchtrute, die sie verheissungsvoll in die Höhe hält.

Fragt sich nur, was sie und ihre sechs Schwestern an dieser Stelle des Münsters sollen. Haben sie sich nur verlaufen oder hat ihr Platz neben den tadelnswerten „törichten Jungfrauen“ etwas zu bedeuten?

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