Der schwarze König vom Dreikönigsaltar

Wieder eimal ein heiliger Dreikönig: Der schöne junge Mohrenkönig, pechrabenschwarz und goldbeturbant, mit sexy Unterkleid und wallendem Mantel, morgenländischer gehts nicht, wie ihn Johann Wydyz, der aus Strassburg stammende Freiburger Bildhauer, im Jahr 1505, auch damals schon schwarz, abgebildet hat. Er steht heute im Dreikönigsaltar an der Stirnseite des rechten Seitenschiffs, da rein gestellt 1823 von Joseph Dominik Glaenz in seinen neu geschaffenen Dreikönigsaltar, in den er die von Wydyz geschaffenen Figuren der Heiligen Familie und der drei Könige hinein komponierte. Ursprünglich und bis 1803 standen sie in einer damals abgerissenen Dreikönigskapelle im Basler Hof.

Ja, und seine Gebeine liegen angeblich in Köln, im Dreikönigschrein im dortigen  Dom. Sie ruhen dort, seitdem Kaiser Barbarossa sie, zusammen mit den Knochen seiner Kollegen Melchior und Balthasar, seinem Kanzler und Kölner Bischof Rainald von Dassel  geschenkt hatte. (Oder hatte der sie selber geklaut – bei Kölner Bischöfen ist ja fast alles möglich.) Und schenken konnte er sie,  weil sie sich im Jahr 1162, als Barbarossa Mailand eroberte, dort befanden und Barbarosssa sich ihrer bediente. Allerdings ist die Herkunft dieser Mailänder Knochen völlig obskur, und deswegen hat das Redaktionskomitee – der Ministrant, der in zarter Jugend in der Christmette das wächserne Christkind vom Hochaltar zur Krippe am Seitenaltar tragen durfte und dabei nicht gestolpert ist, der Historisch-Kritische, der sich einst sehr ernsthaft um die Gottesgelehrsamkeit gemüht, aber schon damals nicht alles geglaubt hatte, was ihm zugemutet wurde, der Tor, der an der Geschichte von Bethlehem genau so viel Spass hat wie an der von Schneewittchen und dem Prinzen und ich, der die häufig sehr divergierenden Meinungen irgendwie zu bündeln versucht; tatkräftige Hilfe erfahren wir durch Phöbe, unsere Teilzeitredaktionspraktikantin – beschlossen, beim erzbischöflichen Stuhl von Köln den Antrag zu stellen, DAN- und sonstige Analysen dieser Knochen durchführen zu lassen, um mehr über sie zu erfahren. Phöbe wettete mit dem Toren, es seien sicher die Skelette von lombardischen Bauern des X. Jahrhunderts, deren sekundäre Verwendung als Reliquien sie zu höchsten Ehren erhoben, von denen sie allerdings nicht mehr viel hatten. Der Tor meinte, dagegen sprächen die kostbaren, aus dem vorderen Orient stammenden  Stoffe, in die die Knochen gewickelt sind und die im 2. oder 3. Jahrhundert hergestellt worden sein sollen.   

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